Bei der Leistungsaufnahme von Staubsaugern war es lange Zeit so, wie auch in vielen anderen Lebensbereichen. Ganz nach dem Motto „Viel hilft viel“ haben sich die Hersteller noch vor einigen Jahren immer wieder mit vierstelligen Wattangaben gegenseitig überboten. Klar, dem durchschnittlichen Verbraucher wurde durch eine hohe Wattzahl schließlich signalisiert, dass der Staubsauger damit auch besonders stark sein muss. Dabei besteht zwischen der Leistungsaufnahme und der tatsächlichen Saugleistung nur ein indirekter Zusammenhang. Natürlich kann ein Gerät mit 3.000 Watt auch ordentlich reinigen, das geht dann allerdings ins Geld, denn auch sinnlos aufgenommende elektrische Leistung will schließlich bezahlt werden.

Vor einiger Zeit hat sich dann die EU, mit einer ihrer sinnvolleren Taten, dieses Problems angenommen und die Verordnung Nr. 666/2013 erlassen. Das Ziel dieser Richtlinie war es, das umwelt- und geldbeutelschädigende Wattrennen der Hersteller zu unterbinden. Dazu wurde vorgeschrieben, dass neue Staubsauger ab dem 1. September 2014 nicht mehr als 1.600 Watt aufnehmen dürfen, ab September 2017 sind die Geräte dann sogar auf 900 Watt begrenzt. Außerdem wurde dabei auch die Lärmentwicklung, die Staubemission und die Mindesthaltbarkeit der Motoren geregelt, aber das nur am Rande. Viele Geräteklassen wie Nasssauger, akkubetriebene Handstaubsauger, Saugroboter oder Zentralstaubsauger sind von der Verordnung übrigens nicht betroffen.

Weniger Watt = weniger Saugleistung?

Der Stromverbrauch moderner Staubsauger sinkt also, was nicht nur gut für die Umwelt ist, sondern auch noch Geld spart. Aber wie steht es mit der Leistung? Kann ein Gerät mit 1.600 Watt genauso gründlich saugen wie eines mit 2.400 Watt? Und was ist mit Modellen die sogar unter der 1.000 Watt-Grenze bleiben? Ist ein 900 Watt Staubsauger wirklich uneingeschränkt geeignet, wenn zum Beispiel Tierhaare aus Teppichen gesaugt werden sollen? Die Antwort ist leider kein einfaches „Na sicher!“, aber immerhin ein „Ja, aber es kommt darauf an…“. Die Motorleistung ist bei einem Staubsauger tatsächlich nicht die wichtigste Kennzahl, zwar hat sie bis zu einem gewissen Grad Einfluss auf die Saugleistung, aber es gibt eben auch andere Variablen.

So kann ein Motor je nach verwendeter Technik mehr oder eben weniger aus der aufgenommenen Leistung holen. Der erzeugte Luftstrom ist dann potentielle Saugkraft, dazu muss er allerdings erst möglichst verlustfrei zur Düse gelangen und auf dem Weg dahin drohen natürlich Verluste. Je nach Filtersystem, Saugrohr und Düsenkonstruktion gehen dabei mehr oder weniger Prozentpunkte verloren. Und in den Bereichen haben die verschiedenen Hersteller ihre Geräte in den letzten Jahren auch wirklich stark verbessert. So ist es eben durchaus möglich, dass ein moderner 900 Watt Sauger an der Düse die gleiche Saugkraft entwickeln kann wie ein etwas älteres Gerät das sich 2.000 Watt gönnt.

Fazit – weniger ist oft mehr

Wenn Sie bei der Suche nach einem neuen Staubsauger über besonders „kräftige“ Modelle mit 2.000 Watt Leistungsaufnahme und mehr stolpern, muss das nicht unbedingt für die Geräte sprechen. Im Gegenteil, das zeigt eher, dass es sich hier um ein älteres Modell handelt. Im Bereich zwischen 800 und 1.600 Watt liegen Sie in Sachen Leistung dagegen meist richtig. Hier überzeugt der geringe Stromverbrauch, die niedrige Lautstärke und in der Regel auch die hohe Effizienz. Wenn Sie trotzdem noch zögern, lesen Sie in unserem Staubsauger Test welche sparsamen Geräte trotzdem mit hoher Saugkraft überzeugen konnten.

Neue Staubsauger müssen aufgrund einer EU Verordnung mit deutlich weniger Watt auskommen. Aber wieviel Watt sind sinnvoll?

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